| Индекс материала |
|---|
| Therapie |
| Peptidrezeptorvermittelte Radiotherapie (PRRT) neuroendokriner Tumoren |
| Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) |
| Все страницы |
Behandlungsmöglichkeiten bei neuroendokrinen Tumoren
Behandlung mit Somatostatin und Interferon-a
Die Freisetzung von Hormonen und Nervenübertragungsstoffen neuroendokriner Tumorzellen erfolgt durch bestimmte Signale (z. B. Kalzium und Alkohol), die aus der Umgebung des Tumor (z. B. auf dem Blutweg) zu den einzelnen Tumorzellen gelangen. Umgekehrt kann durch Hemmung dieser Freisetzungssignale die Sekretion (Freisetzung) verhindert werden. Für die Behandlung neuroendokriner Tumore sind hierzu im klinischen Alltag die beiden künstlich hergestellten, körpereigenen Hormone, Somatostatin und Interferon-a bekannt. Empfängermoleküle, sog. Rezeptoren existieren für Somatostatin und Interferon a in einem Großteil neuroendokriner Tumoren und Tumorzellen. Die Behandlung mit diesen Hormonen verfolgt zwei Ziele:
- Die Unterdrückung der übermäßigen Freisetzung von Hormon-aktiven Substanzen
- Das Verhindern des Tumorwachstums bzw. die Einschmelzung des Tumors
Während die Unterdrückung der „Hormon-Aktivität" häufig erfolgreich ist, sind die Ergebnisse bzgl. einer Verringerung der Tumorgröße mit Somatostatin und Interferon-a eher gering. Lediglich bei etwa einem Drittel aller Fälle lässt sich ein Wachstumsstopp beobachten. Derzeit kommerziell erhältliche Somatostatin-Analoga ebenso wie Interferon sind heute durchweg auch als Depotpräparate verfügbar. Diese Depotpräparate werden entweder subkutan oder in den Muskel verabreicht und üben dann über mehrere Tage bis Wochen ihre Wirkung aus. So existieren z. B. für Octreotid die Depotform Sandostatin LAR®, die in 28-tägigem Rhythmus verabreicht wird. Für Interferon-a existiert eine Depotform, die in 7-tätigen Abständen appliziert wird (z. B. PegIntron®).
In Ergänzung zu den im Handel erhältlichen Somatostatin-Analoga, Octreotid und Lanreotid, befinden sich in der klinischen Erprobung neue Somatostatine, die einzelne Untereinheiten, sog. Rezeptor-Subtypen, aus der Familie Somatostatin-Rezeptoren gezielt binden können. Neben diesem sehr gezielten Ansatz gibt es hierzu entgegengesetzt auch Versuche mit dem Einsatz eines neuen, künstlich hergestellten Somatostatin, das alle Somatostatin-Rezeptoren bindet (sog. Pan-Ligand), eine verbesserte Somatostatin-Wirkung zu erreichen. Letztgenannter Pan-Ligand befindet sich aktuell in der Erprobung (SOM 230) und wird aktuell bezüglich seiner Wirksamkeit bei Patienten mit ausgeprägtem Karzinoidsyndrom weltweit erprobt. Ziel ist, mit dieser Substanz sowohl die Hormonaktivität wie auch das Tumorwachstum besser als mit herkömmlichen Substanzen zu kontrollieren.
Alternative Behandlungsmethoden
Nur chirurgische Behandlungsverfahren bieten die komplette Heilung dieser Tumorerkrankung an. Nicht-chirurgische Verfahren wie die medikamentöse, radiotherapeutische oder sogar die sog. lokal ablative Behandlung führen bestenfalls zu einer Tumorgrößenverringerung. Eine Chemotherapie sollte nur bei den relativ seltenen primitiven sog. anaplastischen neuroendokrinen Tumoren und neuroendokrinen Tumoren der Bauchspeicheldrüse und der Lunge zum Einsatz kommen.
Neue Behandlungsansätze
Weitere potentielle Behandlungsmöglichkeiten zeichnen sich durch den Einsatz von Substanzen ab, die gezielt die Zellkernaktivität neuroendokriner Tumore einschränken. In diesem Zusammenhang könnte mittelfristig der Einsatz von sog. COX 2-Inhibitoren (z. B. Vioxx und Celebrex) in Kombination mit anderen Präparaten interessant sein. Darüber hinaus könnte auch der Einsatz von - bereits bei anderen Tumoren erfolgreich eingesetzten Wirkstoffen - interessant sein, die mit der Neuausbildung von Tumorgefäßen in Wechselwirkung stehen. Bekanntlich zeichnen sich gerade neuroendokrine Tumoren durch eine übermäßige Ausstattung von Tumorgefäßen aus, die für die Aufrechterhaltung des ausgeprägt vorhandenen Stoffwechsels neuroendokriner Tumoren unabdinglich sind.
Durch eine Einschränkung der Energiezufuhr und den Abbau der Tumorgefäße ist eine Einschränkung des Tumorwachstums bzw. eine Verkleinerung von einzelnen Tumoren denkbar. Im nächsten halben Jahr soll im Rahmen einer in Berlin und Leicester, Großbritannien, durchgeführten klinischen Studie dieses Konzept auf seine Wirkung hin untersucht werden.
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit zeichnet sich durch den Einsatz radioaktiv-markierter Somatostatin-Analoga ab. Erste Ergebnisse, die bisher von einander getrennt in einzelnen Zentren gewonnen wurden, sind teilweise veröffentlicht. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass man mit diesem Verfahren eine Tumorgrößeneinschränkung herbeiführen kann und in einem größeren Prozentsatz auch die Funktionalität/Hormonaktivität dieser Tumoren einschränken kann. Vielversprechend ist hierbei aus Sicht der Arbeitsgruppen in Rotterdam wie auch Basel der Ersatz des Radionuklids 90Yttrium durch 177Lutetium. Diese Radionuklide sind über eine sog. chemische Brücke mit dem Somatostatinanalog Octreotid verbunden.
Neben diesen medikamentösen Behandlungsansätzen sind aktuell auch gerade bei Tumorabsiedlungen, die sich auf die Leber beschränken und nicht mehr chirurgisch behandelbar sind sog. lokal-ablative Verfahren in der Erprobung. Hierbei stehen Verfahren wie die Chemoembolisation in Konkurrenz zu Verfahren, in denen einzelne Tumoren durch Einbringung von Sonden und nachfolgender Wärme- oder Kältebeschickung zerstört werden. Bisher existieren hierzu jedoch keine vergleichenden Untersuchungen, um eine endgültige Aussage zur Wertigkeit dieser Verfahren zu erlauben.
Aus einer medizinischen Abhandlung von:
Prof. Dr. Bertram Wiedenmann
Charité – Universitätsmedizin, Campus Virchow-Klinikum
Medizinische Klinik m. S. Hepatologie und Gastroenterologie










