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NET / Karzinoide

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Was sind neuroendokrine Tumoren?

Neuroendokrine Zellen befinden sich zur Produktion verschiedener Hormone in jedem menschlichen Körper. Für eine erforderliche Zellerneuerung kommt es in bestimmten Zeitintervallen zur Zellteilung. Diese Teilung kann (beispielsweise bei geschwächtem Immunsystem) zur Fehlbildungen neuer Zellen führen, die sich infolge veränderter Erbinformationen häufiger teilen und sich somit unter Verdrängung gesunder Zellen zu einem neuroendokrinen Tumor entwickeln. Gegenüber anderen Tumorarten (Karzinomen) haben neuroendokrine Tumore meistens ein deutlich langsameres Wachstumsverhalten.

Häufig bilden neuroendokrine Tumorzellen auch Hormone (z.B. Serotonin). Die dadurch entstehende Symptomatik (Karzinoid-Syndrom) können sein: Rötung des Kopf- und Halsbereichs (Flush), Durchfall, Alkoholunverträglichkeit, Hautveränderungen, asthmaähnliche Beschwerden.

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Diagnostik

Nuklearmedizinische Diagnostik neuroendokriner Tumoren

Die nuklearmedizinische Diagnostik diente seit ihren Anfängen vor über einem halben Jahrhundert der Messung von Organfunktionen und der bildlichen Darstellung physiologischer und pathophysiologischer Veränderungen in vivo. Grundlage der Rezeptorszintigraphie als molekulares Bild gebendes Verfahren (molecular imaging), ist die Erkenntnis, dass eine Reihe von Zellmembranrezeptoren, die autoradiographisch nachweisbar sind auch mittels Gammastrahlen emittierender Radionuklide wie 123Iod, 111Indium, 67Gallium und 99mTechnetium und neuerdings mittels Positronenstrahlern (68Gallium, 86Yttrium) nicht invasiv detektiert werden können.

 

Zusammenfassung

Die Somatostatinrezeptorszintigraphie (SMRS) dient dem spezifischen Nachweis neuroendokriner Tumoren (NET) sowie Rezeptor-positiver Metastasen mit hoher Sensitivität(80–>95%) und ermöglicht eine Ganzkörperdiagnostik in einem Untersuchungsgang. Auch kleine Primärtumoren und Metastasen, die mit CT, MRT und Sonographie nicht oder nur schwer nachweisbar sind, können bei hoher Rezeptorexpression szintigraphisch detektiert werden.

Die SMRS sollte bei substanziellem Verdacht auf einen GEP-Tumor oder nach dem immunhistochemischen Nachweis eines NET als primäres diagnostisches Verfahren vor CT und MRT zum Staging eingesetzt werden. Weitere Indikationen sind Verlaufskontrolle nach Operation, Rezidivdiagnostik bei Tumormarkeranstieg, Beurteilung des Ansprechens auf eine Chemotherapie oder biologische Therapie sowie die Differenzialdiagnose NET vs. nicht endokriner Tumor bei Nachweis einer Raumforderung, sofern eine bioptische Klärung nicht möglich ist.

Letzlich ist die SMRS für die Indikationsstellung zur Radiorezeptortherapie (Intensität der Rezeptorexpression) sowie zur Verlaufskontrolle von essenzieller Bedeutung.

Schlüsselwörter: Neuroendokrine Tumoren/Karzinome • Karzinoid • GEP-Tumoren • Somatostatinrezeptorszintigraphie • Nuklearmedizinische Diagnostik

Autoren:
R. P. Baum • M. Hofmann
Klinik für Nuklearmedizin/PET-Zentrum,
Zentralklinik Bad Berka GmbH
Medizinische Hochschule Hannover

Veröffentlicht in:
Onkologe 2004 • 10:598–610 DOI 10.1007/s00761-004-0716-1
Online publiziert: 4. Juni 2004 © Springer-Verlag 2004

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Therapie

Peptidrezeptorvermittelte Radiotherapie (PRRT) neuroendokriner Tumoren

Klinische Indikationen und Erfahrung mit 90Yttrium-markierten Somatostatinanaloga

Radionuklidmarkierte Somatostatin-Analoga wie 111Indium-Octreotid (OctreoScan) oder 99mTechnetium-ED-DA-HYNIC-TOC (TETOC) werden seit einigen Jahren erfolgreich zur Diagnostik neuroendokriner Tumoren eingesetzt.

Aufgrund der günstigen biokinetischen Eigenschaften (rasche und hohe Anreicherung im Tumor, schnelle Blut-Clearance) und der Entwicklung stabiler Verfahren zur Markierung mit β-Strahlen emittierenden Radionukliden, werden diese als Radiopeptidtherapeutika in den letzten Jahren zunehmend zur additiven Behandlung von neuroendokrinen, insbesondere gastroenteropankreatischen Tumoren eingesetzt (sog. peptidrezeptorvermittelte Radiotherapie, PRRT, oder kurz Radiorezeptortherapie, RRT).

Neben den traditionellen Säulen der onkologischen Therapie (Operation, lokale Behandlungsverfahren, Chemo-/Biotherapie) eröffnet die Radionuklidtherapie eine neue Option für die Behandlung besonders der Patienten, die eine Progression der Erkrankung unter Behandlung mit Octreotid (oder der Kombination Octreotid plus Interferon) bzw. nach lokalen Therapieverfahren wie Chemoembolisation oder auch nach ablativen Verfahren (Radiofrequenzablation, LITT) zeigen.

Operativ kann lokal oder lokoregionär meist eine Resektion des Primärtumors mit kurativer Intention durchgeführt werden, jedoch ist beim Vorliegen von Fernmetastasen die Operation zeitlich nur begrenzt erfolgreich. Da viele neuroendokrine Tumoren ein langsames Wachstum aufweisen (niedrige Proliferationsrate), ist die Chemotherapie häufig nur wenig effektiv und bei längerer Anwendung mit Nebenwirkungen behaftet (geringe therapeutische Breite).

Für die externe Strahlentherapie gilt Ähnliches, sie kommt selten, z. B. bei ossären Metastasen oder bei entdifferenzierten Karzinomen mit einer hohen Proliferationsrate (und dann meist palliativ) zum Einsatz. Die nuklearmedizinische Therapie mit offenen radioaktiven Substanzen beruht darauf, dass spezifische Stoffwechselvorgänge oder Zelleigenschaften gezielt ausgenutzt werden.

Am bekanntesten ist die Behandlung der Hyperthyreose und differenzierter Schilddrüsenkarzinome mit radioaktivem Jod (Radio-Jod-Therapie), welche seit 60 Jahren etabliert ist und womit weltweit Millionen Patienten erfolgreich behandelt wurden. Die Radio-Jod-Therapie ist methodisch der Rezeptortherapie sehr ähnlich, da die Aufnahme von 3 Jod in die Zelle über spezifische Mechanismen (Natriumiodidsymporter=NIS) erfolgt.

Das Vorhandensein spezifischer Rezeptoren auf der Zelloberfläche von neuroendokrinen Tumoren ermöglicht die passgenaue Bindung von Rezeptorliganden an den Somatostatinrezeptor. Somatostatinanaloga (z. B. DO-TA-TOC, DOTA-TATE, DOTA-NOC) sind kleine Peptide, welche mit radioaktiven Strahlern, wie dem therapeutischen β-Strahler 90Yttrium, markiert werden können und nach intravenöser (oder intraarterieller) Injektion an den Tumor bzw. die Metastasen binden und diese „von innen“ bestrahlen, da sich das Radiopharmazeutikum spezifisch im Tumor anreichert („interne Radionuklidtherapie“).

Die Radiorezeptortherapie wird seit nahezu 20 Jahren (z. B. als 3 Jod MIBG-Behandlung von Neuroblastomen und Karzinoiden) von Nuklearmedizinern durchgeführt, es besteht somit ein umfangreiches Wissen zur Indikationsstellung und Erfolgskontrolle. Eigene Erfahrungen in der Behandlung neuroendokriner Tumoren mit 90Yttrium-DOTA-TOC datieren in das Jahr 1997 zurück (erste Radiorezeptortherapie in Deutschland).

Veröffentlicht in:
Der Onkologe 10 · 2004,
von R. P. Baum · J. Söldner · M. Schmücking · A. Niesen
Klinik für Nuklearmedizin/PET-Zentrum, Zentralklinik Bad Berka

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